
In Schweizer KMU reicht harte Arbeit allein nicht für den Aufstieg. Der Schlüssel zur Beförderung liegt in strategischer Sichtbarkeit und politischer Klugheit.
- Dokumentieren Sie Ihre Erfolge mit quantifizierbaren Kennzahlen (KPIs), um Ihren Mehrwert unbestreitbar zu machen.
- Nutzen Sie das Jahresgespräch nicht zum Betteln, sondern zur Präsentation einer logischen Geschäftslösung: Ihrer Beförderung.
Empfehlung: Beginnen Sie sofort damit, Ihre täglichen Aufgaben nicht mehr nur als To-dos, sondern als Projekte mit messbarem Wert für das Unternehmen zu betrachten und zu dokumentieren.
Sie sind ehrgeizig, kompetent und leisten seit Jahren exzellente Arbeit in Ihrem Schweizer KMU. Doch während Sie pflichtbewusst Ihre Aufgaben erfüllen, scheint die Karriereleiter unerreichbar. Das Gefühl, auf der Stelle zu treten, ist frustrierend. Viele glauben, dass Fleiss und Loyalität automatisch zur Beförderung führen. Man rät Ihnen, einfach „weiter Gas zu geben“ oder im Jahresgespräch „Ihren Wunsch zu äussern“. Doch in der spezifischen Kultur konservativer Schweizer Unternehmen, die Bescheidenheit und Konsens hochhalten, ist dieser Ansatz oft zum Scheitern verurteilt.
Die Wahrheit ist: Der Aufstieg ist selten eine Belohnung für vergangene Leistungen, sondern vielmehr eine Investition des Unternehmens in die Zukunft. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob Sie eine Beförderung „verdient“ haben, sondern wie Sie sich als die logischste und sicherste Wahl für die nächste Führungsaufgabe positionieren. Es geht weniger um harte Arbeit als um strategisches Kalkül. Dieser Artikel bricht mit den üblichen Platitüden und zeigt Ihnen den pragmatischen und politisch klugen Weg.
Wir werden beleuchten, wie Sie Ihre Leistung subtil inszenieren, das Jahresgespräch meisterhaft vorbereiten und die ungeschriebenen Regeln der KMU-Welt zu Ihrem Vorteil nutzen. Sie lernen, Ihre Ambitionen nicht als Forderung, sondern als logische Konsequenz für den Unternehmenserfolg zu präsentieren. Denn Ihr Ziel ist es, dass Ihre Vorgesetzten am Ende denken, die Idee Ihrer Beförderung sei ihre eigene gewesen.
Dieser Leitfaden ist Ihr strategischer Fahrplan. Er führt Sie durch die entscheidenden Etappen, von der Vorbereitung des entscheidenden Gesprächs über die richtige Positionierung bis hin zur fundamentalen Frage, welcher Karriereweg wirklich zu Ihnen passt.
Inhaltsverzeichnis: Vom Sachbearbeiter zum Teamleiter in der Schweiz
- Wie bereiten Sie das Jahresgespräch vor, um eine konkrete Beförderungszusage zu erhalten?
- Tu Gutes und sprich darüber: Wie machen Sie das Management auf Ihre Leistungen aufmerksam?
- Bleiben oder Gehen: Wann ist ein Firmenwechsel der einzige Weg zum Aufstieg?
- SVF-Zertifikat oder EMBA: Welches Papier öffnet Ihnen die Tür zur Geschäftsleitung?
- Wie positionieren Sie sich als externer CEO-Kandidat bei einer KMU-Nachfolge?
- Warum EQ oft über die Beförderung entscheidet, wenn der IQ bei allen gleich hoch ist
- Argumente statt Betteln: Wie Sie Ihre Leistung mit Zahlen belegen
- Wie finden Sie heraus, ob Sie für eine Fachkarriere oder Führungslaufbahn gemacht sind?
Wie bereiten Sie das Jahresgespräch vor, um eine konkrete Beförderungszusage zu erhalten?
Das Jahresgespräch ist kein Bittgang, sondern Ihre wichtigste strategische Verhandlungsbühne. Wer unvorbereitet hineingeht und auf das Wohlwollen des Chefs hofft, hat bereits verloren. Ihr Ziel ist es, das Gespräch so zu lenken, dass Ihre Beförderung als die einzig logische Schlussfolgerung erscheint. Der Schlüssel dazu ist eine lückenlose Argumentationskette, die auf Fakten basiert. Bereiten Sie ein „Erfolgsdossier“ vor, das Ihre Leistungen des vergangenen Jahres quantifiziert und direkt mit den Unternehmenszielen verknüpft.
Es geht nicht darum, was Sie getan haben, sondern welchen Mehrwert Sie geschaffen haben. Haben Sie einen Prozess optimiert und damit Arbeitsstunden eingespart? Haben Sie bei einem Projekt geholfen, das Budget zu unterschreiten? Haben Sie die Kundenzufriedenheit nachweislich erhöht? Dies sind die Argumente, die zählen. Die Robert Half Arbeitsmarktstudie bestätigt diesen Ansatz: Für 33% der Schweizer CFOs ist das Mitarbeitergespräch der ideale Zeitpunkt für solche Verhandlungen, weil hier Leistung und Perspektive zusammenkommen.
Formulieren Sie Ihr Ziel klar, aber nicht als Forderung. Statt „Ich will Teamleiter werden“ sagen Sie: „Ich habe in den Projekten X und Y Führungsaufgaben übernommen und dabei Z erreicht. Ich sehe den nächsten logischen Schritt, um für das Unternehmen noch mehr Wert zu schaffen, in der Übernahme der Teamleitung für diesen Bereich. Wie sehen Sie meinen Entwicklungsplan für die nächsten 12 Monate?“ Damit verlagern Sie das Gespräch von einem Wunsch zu einer strategischen Planung. Sollte die Beförderung konkret werden, ist es wichtig, auch die Gehaltsfrage anzusprechen. In der Schweiz können bei einer Beförderung Gehaltserhöhungen zwischen 10 und 15 Prozent realistisch sein – ein Ziel, das Sie mit soliden Leistungsnachweisen untermauern müssen.
Schliessen Sie das Gespräch immer mit konkreten, messbaren Zielen und einem fixierten Folgetermin ab. Eine vage Zusage wie „Wir werden sehen“ ist wertlos. Bestehen Sie auf einem klaren Fahrplan. Das zeigt nicht nur Ihren Willen, sondern auch Ihre professionelle und strukturierte Herangehensweise – beides essenzielle Eigenschaften einer Führungskraft.
Tu Gutes und sprich darüber: Wie machen Sie das Management auf Ihre Leistungen aufmerksam?
In der Schweizer Unternehmenskultur gilt Bescheidenheit als Tugend. Wer lautstark seine Erfolge anpreist, wird schnell als unangenehmer Angeber abgestempelt. Das Dilemma: Wer schweigt, wird übersehen. Die Lösung liegt in der Kunst der subtilen Inszenierung. Es geht darum, Ihre Erfolge sichtbar zu machen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Der Trick besteht darin, andere für sich sprechen zu lassen oder die Leistung als Teamerfolg zu präsentieren, bei dem Ihre zentrale Rolle dennoch klar wird.
Eine effektive Methode ist das „Management by E-Mail“. Wenn Sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben, schreiben Sie eine kurze, sachliche Zusammenfassung an Ihren Vorgesetzten und setzen Sie dessen Chef dezent in CC. Der Inhalt sollte sich auf Fakten konzentrieren: „Kurzes Update zum Projekt X: Wir konnten das Ziel Y zwei Wochen früher als geplant erreichen, was zu einer Kosteneinsparung von Z führte. Besonderer Dank an das Team für den grossen Einsatz.“ Sie haben Ihren Erfolg kommuniziert, ihn aber als Teamleistung verpackt. Genauso wichtig ist es, in Meetings nicht nur Probleme, sondern proaktiv Lösungen und bereits erzielte Fortschritte zu präsentieren. Anstatt zu sagen „Ich habe das Problem gelöst“, formulieren Sie es als „Wir haben für die Herausforderung A eine Lösung gefunden, die nun umgesetzt wird.“

Diese visuelle Darstellung von Erfolgen, sei es auf einem Flipchart oder in einer Präsentation, verstärkt die Wirkung Ihrer Worte. Wie Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half, betont, hängt das Ergebnis eines Gesprächs von vielen Faktoren ab:
Verlauf und Ergebnis eines Gehaltsgesprächs hängen neben dem Termin von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Tonlage, der Kompromissbereitschaft und den faktischen Möglichkeiten des Unternehmens.
– Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half
Ihre Fähigkeit, Erfolge ruhig und selbstbewusst zu präsentieren, ist Teil dieser „Tonlage“. Ein souveränes Auftreten signalisiert, dass Sie von Ihrem eigenen Wert überzeugt sind – die wichtigste Voraussetzung, um auch andere zu überzeugen.
Bleiben oder Gehen: Wann ist ein Firmenwechsel der einzige Weg zum Aufstieg?
Loyalität ist in Schweizer Lebensläufen ein hoch geschätztes Gut. Jahrelange Firmentreue signalisiert Stabilität und Durchhaltevermögen. Doch Loyalität darf nicht zur Einbahnstrasse werden. Wenn Sie alle strategischen Schritte unternommen haben – Ihre Leistung dokumentiert, Ihre Sichtbarkeit erhöht und im Jahresgespräch klare Perspektiven eingefordert haben – und trotzdem auf eine „gläserne Decke“ stossen, müssen Sie die Frage „Bleiben oder Gehen?“ ehrlich beantworten.
Anzeichen für eine Blockade sind vielfältig: vage Versprechungen ohne Taten, die wiederholte Besetzung von Führungspositionen mit externen Kandidaten oder eine Unternehmenskultur, die Weiterentwicklung schlicht nicht fördert. Gerade in traditionsreichen Familienunternehmen kann es vorkommen, dass die Inhaberfamilie Schlüsselpositionen für sich reserviert. In solchen Fällen ist Ihre Leistung irrelevant; die Struktur selbst verhindert Ihren Aufstieg. Eine PwC-Studie, die im Beobachter zitiert wird, zeigt, dass Sie mit dem Wunsch nach Veränderung nicht allein sind: Mehr als jeder vierte Angestellte in der Schweiz plant, innerhalb des nächsten Jahres die Stelle zu wechseln. Besonders bei der jüngeren Generation ist der Druck hoch: 53% der Generation Z wollen eine Lohnerhöhung, was oft einen Wechsel impliziert.
Ein externer Wechsel ist oft der schnellste Weg, um sowohl eine höhere Position als auch einen signifikanten Gehaltssprung zu realisieren. Während interne Gehaltserhöhungen oft begrenzt sind, sind bei einem Jobwechsel Sprünge von 10-15% oder mehr durchaus im Bereich des Möglichen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Argumente zusammen:
| Bleiben | Wechseln |
|---|---|
| Stabilität und bekanntes Umfeld | Neue Entwicklungsmöglichkeiten |
| Loyalität wird in CH-Lebensläufen geschätzt | 10-15% mehr Gehalt möglich |
| Aufgebautes internes Netzwerk | Durchbrechen der gläsernen Decke |
| Kenntnis der Unternehmenskultur | Neue Führungschancen |
Die Entscheidung ist niemals leicht. Sie wiegen die Sicherheit und das Vertraute gegen die Chance auf Wachstum und Anerkennung. Die entscheidende Frage lautet: Investiert das Unternehmen weiterhin in Sie, oder investieren Sie nur noch in das Unternehmen? Wenn Letzteres der Fall ist, ist es an der Zeit, Ihr Talent dorthin zu bringen, wo es nicht nur geschätzt, sondern auch gefördert wird.
SVF-Zertifikat oder EMBA: Welches Papier öffnet Ihnen die Tür zur Geschäftsleitung?
Eine Beförderung ist oft an den Nachweis formaler Qualifikationen geknüpft. Doch welche Weiterbildung ist die richtige Investition? Für angehende Führungskräfte in Schweizer KMU stehen oft zwei Optionen im Raum: das praxisnahe SVF-Zertifikat (Schweizerische Vereinigung für Führungsausbildung) oder der strategisch ausgerichtete Executive MBA (EMBA). Die Wahl hängt entscheidend davon ab, welche „Tür“ Sie öffnen möchten.
Das SVF-Leadership-Zertifikat ist der Goldstandard für die erste und mittlere Führungsebene in der Schweiz. Es ist stark auf die operativen Herausforderungen von KMU zugeschnitten und vermittelt handfestes Führungshandwerk: Mitarbeitergespräche führen, Team-Konflikte lösen, operative Ziele setzen. Wegen seiner hohen Praxisnähe geniesst es bei vielen KMU-Inhabern eine enorme Akzeptanz. Es signalisiert: „Dieser Kandidat kann ein Team im Alltag führen.“
Der Executive MBA zielt höher. Er ist eine strategische Generalisten-Ausbildung für das obere Management und die Geschäftsleitung. Hier geht es weniger um das „Wie“ der Mitarbeiterführung, sondern um das „Warum“ der Unternehmensstrategie: Finanzen, Marketing, internationale Märkte und Corporate Governance. Ein EMBA ist eine erhebliche Investition in Zeit und Geld und signalisiert den Willen, unternehmerische Gesamtverantwortung zu übernehmen. Für eine Teamleiter-Position ist er oft überqualifizierend, für den Sprung in die Geschäftsleitung aber oft eine Voraussetzung. Ein interessanter Weg für erfahrene Praktiker ist zudem der vom BFG Schweiz getragene Eidgenössische Fachausweis ‚Unternehmensführung KMU‘, der auch über einen Gleichwertigkeitsprozess erlangt werden kann, bei dem Berufserfahrung angerechnet wird.
Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht die Unterschiede:
| Kriterium | SVF-Leadership Zertifikat | Executive MBA |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Erste Führungsebene, operative Exzellenz | Geschäftsleitung, strategisches Denken |
| Dauer | 6-12 Monate | 16-24 Monate |
| Kosten | CHF 5’000-8’000 | CHF 33’000-80’000 |
| Praxisbezug | Sehr hoch, KMU-fokussiert | Akademisch-strategisch |
| Netzwerk | Regional, KMU-Führungskräfte | International, Top-Management |
| Anerkennung in CH-KMU | Sehr hoch wegen Praxisnähe | Hoch für Geschäftsleitungspositionen |
Die strategische Wahl lautet also: Wollen Sie der beste Spieler auf dem Feld sein (SVF) oder der Architekt des Spielplans (EMBA)? Für den Schritt vom Sachbearbeiter zum Teamleiter ist das SVF-Zertifikat oft die direktere und effizientere Investition.
Wie positionieren Sie sich als externer CEO-Kandidat bei einer KMU-Nachfolge?
Auch wenn Ihr unmittelbares Ziel eine interne Beförderung ist, ist es von unschätzbarem Wert, die Perspektive eines externen Bewerbers zu verstehen. Warum? Weil Sie intern mit genau diesem „idealen“ externen Kandidaten konkurrieren. Indem Sie lernen, wie sich ein Aussenstehender für eine Top-Position in einem KMU positionieren würde, schärfen Sie Ihr eigenes Profil und können Ihre internen Vorteile gezielt ausspielen. Die Bedeutung von KMU in der Schweiz ist immens: Laut Bundesamt für Statistik sind 99.7% aller Schweizer Unternehmen KMU, was einen riesigen Markt für Führungsaufgaben darstellt.
Ein externer Kandidat muss in kürzester Zeit Vertrauen aufbauen und Kompetenz beweisen. Er tut dies, indem er drei Dinge herausstellt: 1. Branchenerfahrung und ein externes Netzwerk: Er bringt neue Impulse, Kundenkontakte und einen frischen Blick auf festgefahrene Prozesse mit. 2. Nachweisbare Führungserfolge (Track Record): Er legt einen Leistungsausweis vor, der quantifiziert, wie er in früheren Positionen Wachstum generiert, Kosten gesenkt oder Teams restrukturiert hat. 3. Kulturelle Passung: Er signalisiert, dass er die Werte eines KMU (Nähe zum Kunden, Hands-on-Mentalität, langfristiges Denken) versteht und lebt.
Für Sie als interner Kandidat bedeutet das: Sie müssen diese Punkte nicht nur erfüllen, sondern übertreffen, indem Sie Ihren entscheidenden Vorteil nutzen: Ihr Insider-Wissen. Sie kennen die ungeschriebenen Gesetze, die informellen Machtstrukturen und die verborgenen Potenziale des Unternehmens. Ihre Aufgabe ist es, zu zeigen, dass Sie nicht nur die fachliche und führungstechnische Kompetenz eines externen Kandidaten besitzen, sondern zusätzlich das Risiko einer Fehlbesetzung durch Ihre Kenntnis der internen Abläufe minimieren. Positionieren Sie sich als der Kandidat, der „das Beste aus beiden Welten“ vereint: den frischen Wind einer externen Perspektive gepaart mit der Sicherheit und dem Vertrauen eines Insiders.
Wenn Sie Ihre Entwicklungspläne präsentieren, argumentieren Sie wie ein externer Berater, der dem Unternehmen eine grosse Chance aufzeigt. Zeigen Sie auf, welche Potenziale Sie heben würden, wenn Sie die Führung übernähmen. So werden Sie nicht als Angestellter wahrgenommen, der um eine Position bittet, sondern als unternehmerisch denkender Partner, der eine Lösung für die Zukunft des Unternehmens anbietet.
Warum EQ oft über die Beförderung entscheidet, wenn der IQ bei allen gleich hoch ist
Auf dem Weg zur Führungsposition erreichen viele Kandidaten einen Punkt, an dem die reine Fachkompetenz (der IQ) zur Selbstverständlichkeit wird. Alle Bewerber sind intelligent, qualifiziert und haben ihre Expertise bewiesen. Was macht in diesem Moment den Unterschied? Die Antwort lautet immer häufiger: die emotionale Intelligenz (EQ). Es ist die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu verstehen und zu steuern, aber vor allem, die Emotionen anderer zu erkennen und positiv zu beeinflussen.
In einem KMU, wo Teams eng zusammenarbeiten und die Hierarchien flach sind, ist EQ keine „nette Zusatzqualifikation“, sondern eine Kernkompetenz. Eine Führungskraft mit hohem EQ kann ein Team motivieren, Konflikte deeskalieren, Vertrauen aufbauen und eine Kultur der psychologischen Sicherheit schaffen. Ein fachlich brillanter, aber emotional inkompetenter Vorgesetzter hingegen kann ein ganzes Team demotivieren und zu hoher Fluktuation führen – ein enormes Risiko für jedes Unternehmen. Die KMU-Tag-Studie 2025 unterstreicht diesen Wandel: über 70% der befragten Führungskräfte bewerten emotionale Intelligenz als deutlich wichtiger als noch vor zehn Jahren.
Doch es gibt eine grosse Lücke zwischen Erkennen und Handeln. Tobias Wolf, Initiator des KMU-Tags, bringt es auf den Punkt:
Fast alle Führungskräfte erkennen die Bedeutung emotionaler Intelligenz an, aber nur rund vier Prozent der Unternehmen setzen sie gezielt als Führungsinstrument ein.
– Tobias Wolf, Initiator KMU-Tag 2025
Hier liegt Ihre Chance. Während andere ihre Fachkenntnisse betonen, können Sie in Gesprächen und durch Ihr Handeln beweisen, dass Sie Menschen verstehen und zusammenbringen können. Zeigen Sie Empathie für die Herausforderungen Ihrer Kollegen, agieren Sie in Diskussionen als Vermittler, geben Sie konstruktives Feedback und zeigen Sie Wertschätzung für die Arbeit anderer. Schweizer KMU, so eine weitere Erkenntnis der Studie, sind oft „stark im Machen, aber zurückhaltend im Fühlen“. Wenn Sie beweisen, dass Sie beides können, heben Sie sich entscheidend von der Konkurrenz ab.
Argumente statt Betteln: Wie Sie Ihre Leistung mit Zahlen belegen
Die solideste Grundlage für jede Beförderungsstrategie ist ein unbestreitbarer Leistungsausweis. Vage Aussagen wie „Ich bin sehr engagiert“ oder „Ich habe gute Arbeit geleistet“ sind im entscheidenden Moment wertlos. Sie müssen Ihre Erfolge in die Sprache des Managements übersetzen: in Zahlen, Daten und Fakten. Ihr Ziel ist es, einen persönlichen „Business Case“ für Ihre Beförderung zu erstellen, der Ihren direkten Beitrag zum Unternehmenserfolg belegt.
Beginnen Sie damit, über einen längeren Zeitraum hinweg ein persönliches Leistungs-Dashboard zu führen. Dokumentieren Sie nicht nur Ihre Aufgaben, sondern deren Ergebnisse. Fragen Sie sich bei jeder Tätigkeit: Welchen Einfluss hatte das? Konnte ich Kosten senken? Den Umsatz steigern? Zeit einsparen? Die Kundenzufriedenheit verbessern? Quantifizieren Sie alles, was möglich ist. Selbst wenn Sie keinen direkten Umsatzeinfluss haben, können Sie oft Effizienzgewinne messen (z.B. „Reduktion der Bearbeitungszeit für Prozess X um 15% durch die Einführung eines neuen Templates“).
Strukturieren Sie Ihre Erfolge nach Projekten oder Verantwortungsbereichen. Listen Sie die ursprüngliche Herausforderung, Ihre konkrete Handlung und das messbare Ergebnis auf. Diese Dokumentation ist das Fundament für Ihr Jahresgespräch, für Gehaltsverhandlungen und für Ihren Lebenslauf. Sie verwandelt subjektive Meinungen in objektive Tatsachen und nimmt Ihren Vorgesetzten die Arbeit ab, Ihren Wert selbst herausfinden zu müssen. Sie liefern die Argumente auf dem Silbertablett.
Dieser datenbasierte Ansatz signalisiert Professionalität, analytisches Denken und Ergebnisorientierung – allesamt Eigenschaften einer gesuchten Führungskraft. Anstatt um eine Beförderung zu „betteln“, präsentieren Sie eine rationale, geschäftliche Entscheidung. Sie zeigen auf, dass Ihre bisherige Leistung eine Investition rechtfertigt, die sich für das Unternehmen mehrfach auszahlen wird.
Ihr Plan zur Erstellung eines Leistungsausweises
- Erfolge identifizieren: Listen Sie alle Projekte und signifikanten Aufgaben der letzten 12 Monate auf.
- Kennzahlen definieren: Weisen Sie jedem Erfolg eine messbare Kennzahl (KPI) zu. Beispiele: eingesparte CHF, gewonnene Zeit in Stunden, prozentuale Steigerung, verbesserte Kundenzufriedenheitswerte.
- Vorher-Nachher-Analyse: Dokumentieren Sie den Zustand vor Ihrer Intervention und das Ergebnis danach. Der Unterschied ist Ihr Mehrwert.
- Auswirkungen beschreiben: Formulieren Sie zu jeder Kennzahl einen Satz, der die positive Auswirkung auf das Team oder das Unternehmen erklärt (z.B. „Die Zeitersparnis von 4 Stunden pro Woche ermöglicht dem Team, sich auf strategische Aufgaben zu konzentrieren.“).
- Dossier erstellen: Fassen Sie die 3-5 stärksten Erfolgsgeschichten in einem übersichtlichen, einseitigen Dokument zusammen. Dies ist Ihre „Munition“ für das Jahresgespräch.
Das Wichtigste in Kürze
- Leistung messbar machen: Ihre Erfolge müssen in Zahlen (CHF, %, Zeit) übersetzbar sein, um im Management Gehör zu finden.
- Bescheidenheit ist eine Strategie: In der Schweiz bedeutet Sichtbarkeit nicht Lautstärke, sondern gezielte, subtile Kommunikation im richtigen Moment.
- EQ schlägt IQ: Ihre Fähigkeit, Menschen zu verstehen und zu führen, ist entscheidender als reine Fachkompetenz, sobald die fachliche Basis bei allen Kandidaten gegeben ist.
Wie finden Sie heraus, ob Sie für eine Fachkarriere oder Führungslaufbahn gemacht sind?
Nachdem Sie nun den strategischen Weg zur Führungsposition kennen, ist es Zeit für die fundamentalste aller Fragen: Wollen Sie diesen Weg wirklich gehen? Der Wunsch nach „mehr Verantwortung“ und „mehr Gehalt“ treibt viele an, doch die Realität einer Führungsposition wird oft falsch eingeschätzt. Eine Führungslaufbahn ist kein „besserer“ Weg als eine Fachkarriere – es ist ein fundamental anderer Weg mit völlig neuen Herausforderungen.
Stellen Sie sich eine ehrliche Frage: Woran haben Sie am Ende eines Arbeitstages die meiste Freude? Ist es die tiefe Auseinandersetzung mit einer komplexen fachlichen Materie, das Lösen eines kniffligen Problems, das Erschaffen von etwas Neuem? Oder ist es die erfolgreiche Koordination eines Teams, die Entwicklung eines Mitarbeiters, das Beilegen eines Konflikts und der gemeinsame Erfolg? – Die Fachkarriere bedeutet, der beste Experte auf Ihrem Gebiet zu werden. Ihr Wert liegt in Ihrem tiefen Wissen. – Die Führungslaufbahn bedeutet, die Erfolge anderer zu ermöglichen. Ihr Wert liegt in Ihrer Fähigkeit, ein Umfeld zu schaffen, in dem Experten optimal arbeiten können. Ihre eigenen fachlichen Aufgaben treten in den Hintergrund.
In vielen Schweizer KMU wird die Fachkarriere zunehmend als gleichwertige und attraktive Alternative zur Führungslaufbahn anerkannt. Die Möglichkeit, als „Senior Expert“ oder „Principal Specialist“ eine hohe Anerkennung und ein entsprechendes Gehalt zu erzielen, ohne Personalverantwortung tragen zu müssen, ist eine wertvolle Option. Seminare wie das der Universität St.Gallen zur KMU-Führungskompetenz können helfen, ein besseres Gefühl für die Anforderungen der Führungsrolle zu bekommen.
Eine Beförderung in eine Führungsrolle, die nicht zu Ihrer Persönlichkeit passt, führt unweigerlich zu Frustration – für Sie und Ihr Team. Die grösste strategische Klugheit besteht darin, den Karriereweg zu wählen, der Ihren Stärken und Ihrer inneren Motivation entspricht. Nur dann werden Sie langfristig erfolgreich und zufrieden sein, sei es als hochgeschätzter Experte oder als inspirierende Führungskraft.