
Erfolgreiches Karrierecoaching ist kein Zufall, sondern ein strukturierter Prozess, den Sie aktiv mitgestalten können und müssen.
- Die Wahl des richtigen Begleiters (Coach, Mentor, Sponsor) hängt von Ihrer spezifischen Zielsetzung ab – nicht jeder Experte passt zu jedem Problem.
- Qualität ist messbar: Seriöse Coaches in der Schweiz erkennen Sie an Zertifizierungen (BSO, ICF, SCA) und transparenten Methoden, nicht an Erfolgsversprechen.
Empfehlung: Beginnen Sie mit gezielter Selbstreflexion und nutzen Sie die hier vorgestellten Kriterien, um eine fundierte Entscheidung für oder gegen externe Unterstützung zu treffen und deren Finanzierung (z.B. durch RAV oder Steuern) zu klären.
Das Gefühl, beruflich auf der Stelle zu treten, ist frustrierend. Man hat das Ziel vor Augen, doch der Weg dorthin scheint blockiert. Die üblichen Ratschläge – mit Freunden sprechen, Fachbücher lesen, sich „einfach mehr anstrengen“ – führen oft in eine Sackgasse. In dieser Situation taucht immer häufiger ein Begriff auf: Coaching. Der Markt ist voll von Versprechungen, die von sofortiger Klarheit bis hin zu Traumkarrieren reichen. Doch die Gefahr, an einen Scharlatan zu geraten oder viel Geld für generische Ratschläge auszugeben, ist real.
Die landläufige Meinung ist, man müsse nur den „richtigen“ Coach finden, der einem die Antworten liefert. Doch was, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, passiv Antworten zu empfangen, sondern darin, das System der professionellen Karriereentwicklung zu verstehen? Erfolgreiches Coaching ist keine Magie, sondern ein strukturierter Prozess. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, bevor man überhaupt nach einem Experten sucht: Was genau ist mein Ziel? Welche Art von Unterstützung brauche ich wirklich – einen Fragesteller (Coach), einen Wegbereiter (Mentor) oder einen Fürsprecher (Sponsor)? Und wie erkenne ich Qualität in einem unregulierten Markt?
Dieser Artikel durchbricht den Nebel der Coaching-Branche. Er gibt Ihnen als zertifizierter Laufbahnberater ein System an die Hand, mit dem Sie eine fundierte Entscheidung treffen können. Wir beleuchten die knallharten Fakten zur Finanzierung in der Schweiz, zeigen Ihnen, wie Sie Spreu von Weizen trennen, und geben Ihnen Werkzeuge für die Selbstreflexion an die Hand. Denn die wirkungsvollste Veränderung beginnt nicht beim Coach, sondern bei Ihnen.
Um Ihnen eine klare Struktur für diese wichtige Entscheidung zu geben, führt dieser Artikel Sie systematisch durch die entscheidenden Aspekte der professionellen Karrierebegleitung. Das Inhaltsverzeichnis dient Ihnen als Wegweiser, um die für Sie relevantesten Themen gezielt anzusteuern.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur professionellen Karriere-Unterstützung
- Wer zahlt das Coaching? Wann übernimmt das RAV oder der Arbeitgeber die Rechnung?
- Geschützter Begriff? Nein! Woran Sie seriöse Berater von Scharlatanen unterscheiden
- Brauchen Sie jemanden, der Türen öffnet (Mentor) oder jemanden, der Fragen stellt (Coach)?
- Journaling und Vision Board: Was Sie ohne Geld selbst für Ihre Klarheit tun können
- Nicht nur für Schüler: Wo finden Sie öffentliche Berufsberatung im Kanton Zürich/Bern?
- DISG, MBTI oder Insights: Welcher Test hilft Ihnen bei der Berufswahl wirklich weiter?
- Wie nutzen Sie eine Standardabsage, um Ihre nächste Bewerbung zu schärfen?
- Wie finden Sie heraus, ob Sie für eine Fachkarriere oder Führungslaufbahn gemacht sind?
Wer zahlt das Coaching? Wann übernimmt das RAV oder der Arbeitgeber die Rechnung?
Die Kosten für ein professionelles Coaching sind eine Investition, die sich auszahlen kann, aber nicht immer vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden muss. In der Schweiz gibt es verschiedene Hebel, um die finanzielle Belastung zu reduzieren. Es ist entscheidend, diese Optionen zu kennen, bevor Sie eine Verpflichtung eingehen. Die drei Hauptpfeiler der Finanzierung sind die Arbeitslosenversicherung (ALV) via Regionales Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), der Arbeitgeber und die steuerliche Absetzbarkeit.
Eine Übernahme durch das RAV ist möglich, wenn das Coaching als arbeitsmarktliche Massnahme (AMM) eingestuft wird. Die zentrale Voraussetzung ist, dass die Massnahme Ihre Vermittelbarkeit nachweislich verbessert. Es reicht nicht, „allgemeine Klarheit“ zu suchen. Sie müssen konkret argumentieren, wie das Coaching Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht. Ein strukturierter Antrag ist hierbei entscheidend. Ihr Arbeitgeber wiederum könnte die Kosten übernehmen, wenn Sie das Coaching als Investition in Ihre Weiterentwicklung und somit als Vorteil für das Unternehmen positionieren. Argumente wie Mitarbeiterbindung, Kompetenzerweiterung oder die Vorbereitung auf eine neue Rolle sind hier überzeugend. Schliesslich können Sie in der Schweiz für berufliche Weiterbildung maximal CHF 13’000 pro Jahr steuerlich geltend machen, wozu auch berufsbezogenes Coaching zählen kann. Beachten Sie jedoch kantonale Unterschiede.
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Finanzierungsquellen und ihre Voraussetzungen zusammen, wie sie in einer aktuellen Analyse der Coaching-Finanzierung dargelegt werden.
| Finanzierungsquelle | Voraussetzungen | Übernahmequote | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| RAV/ALV | Arbeitslos gemeldet, AMM-Berechtigung | Bis 100% | Muss Vermittelbarkeit verbessern |
| Arbeitgeber | Business Case vorlegen | Variabel | Als Investition in Mitarbeiterbindung positionieren |
| Steuerlicher Abzug | Berufsbezogene Weiterbildung | Max. CHF 13’000/Jahr | Kantonale Unterschiede beachten |
| Krankenkasse | Nur Ausnahmen (z.B. KPT) | Minimal | Coaching gilt nicht als medizinische Leistung |
Um Ihre Chancen auf eine Kostenübernahme durch das RAV zu maximieren, ist eine sorgfältige Vorbereitung unerlässlich. Konzentrieren Sie sich darauf, den Nutzen für den Arbeitsmarkt klar und deutlich zu belegen. Ein proaktiver und gut dokumentierter Ansatz ist der Schlüssel zum Erfolg.
Geschützter Begriff? Nein! Woran Sie seriöse Berater von Scharlatanen unterscheiden
Eine der wichtigsten und oft übersehenen Tatsachen auf dem Schweizer Markt ist: Der Begriff „Coach“ ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder kann sich so nennen, unabhängig von Ausbildung oder Erfahrung. Das macht ein sorgfältiges Qualitäts-Audit unerlässlich, um nicht an einen teuren, aber wirkungslosen Berater oder gar einen Scharlatan zu geraten. Verlassen Sie sich nicht auf Hochglanz-Websites oder vollmundige Erfolgsgarantien, sondern auf überprüfbare Fakten und klare Warnsignale.
Seriöse Coaches und Berater investieren in ihre eigene Professionalisierung. Das wichtigste Indiz sind Zertifizierungen durch anerkannte Berufsverbände. In der Schweiz sind dies vor allem der Berufsverband für Coaching, Supervision und Organisationsberatung (BSO), die International Coaching Federation (ICF) und die Swiss Coaching Association (SCA). Diese Verbände verlangen von ihren Mitgliedern nachweisbare Ausbildungsstunden, praktische Erfahrung und die Einhaltung ethischer Richtlinien, inklusive regelmässiger Supervision. Ein professioneller Berater wird seine Qualifikationen transparent auf seiner Website ausweisen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Berater der HSG Career Services, die alle über anerkannte Coaching-Ausbildungen (z.B. CAS in Beratung von der ZHAW) und relevante Praxiserfahrung verfügen.
Die Unterzeichnung eines Vertrags ist ein Moment der Wahrheit. Ein professioneller Vertrag sollte klare Klauseln zu Vertraulichkeit, Zielen, Dauer und Kosten enthalten. Visuelle Qualitätssiegel anerkannter Verbände können ein zusätzliches Indiz für Seriosität sein.

Neben den positiven Qualitätsmerkmalen ist es ebenso wichtig, die „Red Flags“ zu kennen, die auf unseriöse Anbieter hindeuten. Seien Sie besonders wachsam bei überzogenen Versprechungen und unklaren Methoden. Ein guter Coach verkauft Ihnen keine Lösung, sondern begleitet Sie dabei, Ihre eigene zu finden. Die folgenden Punkte sind klare Warnzeichen:
- Unrealistische Erfolgsgarantien („100% Jobgarantie in 4 Wochen“)
- Fehlende Zertifizierung durch anerkannte Verbände (ICF, BSO, SCA)
- Druck zum sofortigen Vertragsabschluss ohne Bedenkzeit
- Keine Nachweise über eigene Supervision oder kontinuierliche Weiterbildung
- Fehlende Transparenz über die angewandten Methoden und die eigene Qualifikation
- Keine klare Vereinbarung zu Vertraulichkeit und Datenschutz
Brauchen Sie jemanden, der Türen öffnet (Mentor) oder jemanden, der Fragen stellt (Coach)?
Bevor Sie sich auf die Suche nach Unterstützung begeben, ist eine systemische Abgrenzung der Rollen entscheidend. Die Begriffe Coach, Mentor und sogar Sponsor werden oft synonym verwendet, beschreiben aber grundlegend unterschiedliche Funktionen. Die Wahl des falschen Begleiters kann nicht nur teuer, sondern auch ineffektiv sein. Fragen Sie sich: Brauche ich jemanden, der mir hilft, meine eigenen Antworten zu finden, oder jemanden, der mir mit seinem Wissen und Netzwerk den Weg ebnet?
Ein Coach ist ein Prozessbegleiter. Seine Hauptaufgabe ist es, durch gezielte, oft herausfordernde Fragen Ihre Reflexion anzuregen, Denkmuster aufzudecken und Ihnen zu helfen, Ihre eigenen Ziele zu definieren und Lösungsstrategien zu entwickeln. Der Coach ist Experte für den Prozess, nicht zwingend für Ihre Branche. Er gibt keine Ratschläge. Ein Mentor hingegen ist ein erfahrener Experte aus Ihrem oder einem angrenzenden Berufsfeld. Er teilt sein Wissen, gibt konkrete Ratschläge basierend auf seiner eigenen Laufbahn und kann Türen zu seinem Netzwerk öffnen. Mentoring ist oft informeller und langfristiger angelegt. Der Sponsor geht noch einen Schritt weiter: Er ist eine einflussreiche Person in einer Organisation, die aktiv ihr politisches Kapital für Sie einsetzt, Sie für Beförderungen vorschlägt und sich für Ihren Aufstieg stark macht. Ein Sponsor agiert oft im Hintergrund.
Die Unterscheidung dieser Rollen ist fundamental für Ihren Erfolg. Die folgende Übersicht, basierend auf gängigen Modellen der Karriereentwicklung, hilft Ihnen bei der Einordnung Ihres Bedarfs.
| Rolle | Hauptfunktion | Typische Aktivitäten | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Coach | Fragen stellen, Reflexion fördern | Strukturierte Gespräche, Zielfindung | Persönliche Entwicklung, Entscheidungsfindung |
| Mentor | Wissen teilen, Türen öffnen | Erfahrungsaustausch, Netzwerk-Zugang | Brancheneinstieg, Karriereaufbau |
| Sponsor | Aktiv fördern, politisches Kapital einsetzen | Empfehlungen aussprechen, Positionen vermitteln | Aufstieg in Führungspositionen |
Die Entscheidung hängt also klar von Ihrer aktuellen Situation ab. Stehen Sie vor einer grundlegenden Neuorientierung und wissen nicht, wohin die Reise gehen soll? Ein Coach ist wahrscheinlich die richtige Wahl. Möchten Sie in Ihrer aktuellen Branche schneller vorankommen und von Insider-Wissen profitieren? Suchen Sie einen Mentor. Streben Sie eine hohe Führungsposition an und benötigen einen mächtigen Fürsprecher? Dann ist ein Sponsor das Ziel.
Journaling und Vision Board: Was Sie ohne Geld selbst für Ihre Klarheit tun können
Externe Hilfe ist wertvoll, aber der wichtigste Motor für berufliche Klarheit sind Sie selbst. Bevor Sie Geld in die Hand nehmen, gibt es wirkungsvolle Methoden des Self-Coachings, die Sie sofort und kostenlos umsetzen können. Dieser „Aktivierungs-Prinzip“ genannte Ansatz bereitet Sie nicht nur optimal auf ein mögliches Coaching vor, sondern kann Ihnen bereits entscheidende Erkenntnisse liefern. Die beiden bekanntesten Werkzeuge hierfür sind Journaling und das Erstellen eines Vision Boards.
Journaling ist mehr als nur Tagebuchschreiben. Es ist ein strukturierter Dialog mit sich selbst. Anstatt nur Ereignisse zu protokollieren, nutzen Sie gezielte Fragestellungen, um Ihre Gedanken zu sortieren: Was hat mir heute Energie gegeben? Was hat mich Energie gekostet? Welche Aufgabe habe ich aufgeschoben und warum? In welcher Situation habe ich mich kompetent und sicher gefühlt? Regelmässig angewendet, deckt Journaling Muster, unbewusste Blockaden und verborgene Wünsche auf. Ein Vision Board wirkt auf einer anderen, eher intuitiven Ebene. Es ist eine visuelle Darstellung Ihrer beruflichen Zukunft. Anstatt Ziele in Worte zu fassen, sammeln Sie Bilder, Zitate und Farben, die das Gefühl repräsentieren, das Sie in Ihrer idealen beruflichen Situation haben möchten. Dieser kreative Prozess umgeht den analytischen Verstand und spricht direkt Ihre Emotionen und tiefsten Motivationen an.
Ein inspirierender Arbeitsplatz mit einem persönlichen Vision Board und einem offenen Journal kann die tägliche Reflexion fördern und Ihre Ziele visuell präsent halten.

Um dem Self-Coaching eine klare Struktur zu geben, können Sie das bewährte GROW-Modell nutzen. Planen Sie dafür über vier Wochen jeweils einen Fokus:
- Woche 1 – GOAL (Ziel): Definieren Sie 3 konkrete, messbare berufliche Ziele, die Sie in den nächsten 6 Monaten erreichen wollen.
- Woche 2 – REALITY (Realität): Analysieren Sie ehrlich Ihre aktuelle Situation. Was sind Ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) in Bezug auf Ihre Ziele?
- Woche 3 – OPTIONS (Optionen): Brainstormen Sie für jedes Ziel mindestens 5 verschiedene Handlungsoptionen. Denken Sie kreativ und ohne Einschränkungen.
- Woche 4 – WAY FORWARD (Weg): Entscheiden Sie sich für die vielversprechendsten Optionen und erstellen Sie einen detaillierten Aktionsplan mit konkreten Schritten und Meilensteinen.
Diese Methoden sind nicht nur eine Vorbereitung, sondern oft schon die Lösung. Angesichts dessen, dass professionelle Begleitung mit Kosten von durchschnittlich CHF 170 pro Stunde in der Schweiz verbunden ist, stellen diese Techniken eine wertvolle und zugängliche erste Stufe der Karriereentwicklung dar.
Nicht nur für Schüler: Wo finden Sie öffentliche Berufsberatung im Kanton Zürich/Bern?
Ein häufiges Missverständnis ist, dass öffentliche Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen (in der Schweiz oft unter dem Dach der Berufsinformationszentren, BIZ, zusammengefasst) nur für Jugendliche am Anfang ihrer Karriere gedacht sind. Das ist falsch. Viele kantonale Stellen, beispielsweise in Zürich und Bern, bieten auch für Erwachsene und Berufserfahrene, die vor einer Neuorientierung stehen, hochprofessionelle und kostengünstige Dienstleistungen an. Diese Option sollte in jeder Überlegung eine Rolle spielen.
Die öffentliche Beratung hat klare Vorteile: Die Kosten sind mit CHF 0 bis ca. CHF 150 pro Sitzung deutlich niedriger als bei privaten Anbietern, und die Berater sind qualifiziert und neutral. Sie nutzen oft standardisierte und wissenschaftlich validierte Testverfahren (Persönlichkeits-, Interessen-, Fähigkeitstests), um eine objektive Grundlage für die Beratung zu schaffen. Der Nachteil kann in einer gewissen Standardisierung des Prozesses und möglichen Wartezeiten von zwei bis vier Wochen liegen. Ein privater Coach bietet in der Regel mehr Flexibilität, eine tiefere, individuellere Auseinandersetzung und ist sofort verfügbar, was aber auch seinen Preis hat.
Die Entscheidung zwischen öffentlicher Beratung und privatem Coach hängt von Ihrer Dringlichkeit, Ihrem Budget und der Tiefe des gewünschten Prozesses ab. Die folgende von privaten Anbietern oft erstellte Gegenüberstellung kann bei der Entscheidung helfen.
| Kriterium | BIZ (öffentlich) | Privater Coach |
|---|---|---|
| Kosten | CHF 0-150 pro Sitzung | CHF 150-300 pro Stunde |
| Wartezeit | 2-4 Wochen | Sofort verfügbar |
| Thematische Tiefe | Standardisierte Tests, Grundberatung | Individuelles Deep-Dive |
| Vertraulichkeit | Datenschutz gemäss Gesetz | Vollständige Vertraulichkeit |
| Flexibilität | Feste Bürozeiten | Auch abends/Wochenende |
Für eine erste Orientierung, die Klärung von Optionen und den Zugang zu validierten Tests ist das BIZ oft ein exzellenter und kosteneffizienter Startpunkt. Wenn Sie jedoch eine sehr spezifische Herausforderung haben, eine intensive 1:1-Begleitung über längere Zeit suchen oder eine hohe zeitliche Flexibilität benötigen, kann ein privater Anbieter die bessere Wahl sein. Es gibt auch spezialisierte Organisationen wie FAU – Fokus Arbeit Umfeld, die sich seit 1995 auf die Begleitung von Hochqualifizierten und Kadermitarbeitenden in Bern, Zürich und anderen Städten konzentrieren und eine Brücke zwischen öffentlichem Auftrag und privater Spezialisierung schlagen.
DISG, MBTI oder Insights: Welcher Test hilft Ihnen bei der Berufswahl wirklich weiter?
Persönlichkeitstests wie DISG, MBTI, Insights MDI oder der Big Five-Test sind ein fester Bestandteil vieler Laufbahnberatungen. Sie versprechen, uns selbst besser zu verstehen und passende Berufsfelder aufzuzeigen. Doch ihre Aussagekraft wird oft überschätzt. Ein Testergebnis ist kein Etikett und keine endgültige Wahrheit über Ihre Persönlichkeit. Es ist eine Momentaufnahme, ein Spiegel Ihrer aktuellen Selbstwahrnehmung und Präferenzen. Der wahre Wert dieser Instrumente liegt nicht im Ergebnis selbst, sondern in der professionellen Interpretation und dem Dialog, der daraus entsteht.
Ein seriöser Berater nutzt einen Test nicht, um Ihnen zu sagen, wer Sie sind, sondern als Hypothesen-Werkzeug. Das Ergebnis liefert Anhaltspunkte und formuliert Hypothesen über Ihre Stärken, Kommunikationsstile oder bevorzugten Arbeitsumgebungen. Im Gespräch werden diese Hypothesen dann überprüft: Wo erkennen Sie sich wieder? Wo widerspricht das Ergebnis Ihrer Erfahrung? Welche „blinden Flecken“ deckt es möglicherweise auf? Wie die Experten der HSG Career Services betonen, ist die Auswertung entscheidend.
Ohne eine qualifizierte Auswertung durch einen zertifizierten Coach oder Berater ist ein Persönlichkeitstest wertlos. Ein Profi nutzt die Ergebnisse, um Hypothesen zu bilden und blinde Flecken aufzudecken, anstatt den Klienten zu ‚etikettieren‘.
– HSG Career Services, Karriereberatung für Berufserfahrene
Lassen Sie sich also nicht von einem Vier-Buchstaben-Code oder einer Farbe definieren. Der Test ist der Anfang, nicht das Ende der Diskussion. Um den maximalen Nutzen aus einem solchen Test zu ziehen, egal ob Sie ihn allein oder mit einem Berater durchführen, müssen Sie ihn aktiv verarbeiten. Das Ergebnisblatt darf nicht in einer Schublade verschwinden. Wenden Sie den „So-what?“-Check an.
Ihr Plan zur Auswertung von Persönlichkeitstests: Der „So-What?“-Check
- Resonanz prüfen: Markieren Sie alle Aussagen im Testbericht, in denen Sie sich zu 100% wiedererkennen. Streichen Sie, was nicht passt.
- Nutzen formulieren: Leiten Sie aus den zutreffenden Aussagen drei konkrete Stärken ab, die Sie im nächsten Vorstellungsgespräch als Argumente nutzen können.
- Entwicklung ableiten: Identifizieren Sie ein bis zwei beschriebene Verhaltensweisen, die Sie als persönliche Entwicklungsfelder für Ihre Karriere ansehen.
- Validierung einholen: Besprechen Sie die Kernaussagen mit 2-3 Personen, die Sie gut kennen und denen Sie vertrauen. Deckt sich deren Fremdwahrnehmung mit Ihrer Selbstwahrnehmung?
- Aktion definieren: Definieren Sie einen konkreten nächsten Schritt, der auf den gewonnenen Erkenntnissen basiert (z.B. „Ich suche gezielt nach Rollen mit mehr strategischem Anteil“).
Wie nutzen Sie eine Standardabsage, um Ihre nächste Bewerbung zu schärfen?
Jede Bewerbungsabsage, insbesondere nach einem Vorstellungsgespräch, ist enttäuschend. Die meisten Unternehmen versenden standardisierte, unpersönliche E-Mails, die keine konkreten Gründe nennen. Der Impuls ist oft, diese Nachricht zu archivieren und zu vergessen. Doch hier liegt eine ungenutzte Chance. Eine Absage ist nicht nur ein Endpunkt, sondern kann auch ein wertvoller Datenpunkt für Ihre nächste, verbesserte Bewerbung sein. Der Schlüssel liegt darin, proaktiv und professionell um Feedback zu bitten.
Die meisten HR-Verantwortlichen sind aus rechtlichen Gründen und Zeitmangel zurückhaltend mit detailliertem Feedback. Eine freundliche, kurze und verständnisvolle Anfrage kann diese Barriere jedoch manchmal durchbrechen. Wichtig ist, dass Sie nicht versuchen, die Entscheidung infrage zu stellen, sondern klar signalisieren, dass Sie für Ihre persönliche Weiterentwicklung lernen möchten. Formulieren Sie spezifische, einfach zu beantwortende Fragen. Anstatt „Warum wurde ich abgelehnt?“ zu fragen, versuchen Sie es mit: „Welche Kompetenz hätte für diese Position noch stärker ausgeprägt sein können?“ oder „Gab es einen spezifischen Punkt im Gespräch, bei dem ich mich klarer hätte ausdrücken können?“.
Selbst wenn Sie keine Antwort erhalten, zwingt Sie der Prozess des Nachfragens zur Selbstreflexion: Was hätte ich besser machen können? Wo war mein Lebenslauf vielleicht unklar? Solche Überlegungen sind die Basis für eine gezielte Optimierung. Professionelle Anbieter wie Newcareer betonen, dass ein überzeugender Lebenslauf das Ergebnis intensiver Arbeit ist, die oft durch die Analyse vergangener Bewerbungsprozesse geschärft wird.
Die folgende Vorlage kann als Inspiration für Ihre Feedback-Anfrage dienen. Passen Sie sie an die jeweilige Situation und den Ton des Unternehmens an.
Betreff: Vielen Dank für Ihre Rückmeldung – Bitte um kurzes Feedback
Sehr geehrte/r [Name],
vielen Dank für Ihre Nachricht vom [Datum]. Ich respektiere Ihre Entscheidung vollkommen.
Um mich für zukünftige Bewerbungen weiterzuentwickeln, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir in zwei Stichpunkten ein kurzes Feedback geben könnten. Mich interessiert besonders, welche Kompetenzen für diese Position noch hätten gestärkt werden können.
Ich verstehe, dass Ihre Zeit knapp ist, und schätze jede kurze Rückmeldung sehr.
Mit freundlichen Grüssen,
[Ihr Name]
Das Wichtigste in Kürze
- Erfolgreiches Coaching ist ein strukturierter Prozess, keine Magie. Ihre aktive Vorbereitung und Mitarbeit sind entscheidend.
- Qualität ist in der Schweiz überprüfbar: Achten Sie auf Zertifizierungen (BSO, ICF, SCA) und klare Warnsignale für unseriöse Anbieter.
- Die Wahl des richtigen Begleiters (Coach, Mentor, Sponsor) und die Nutzung kostenloser Selbstcoaching-Methoden sind die ersten Schritte zu beruflicher Klarheit.
Wie finden Sie heraus, ob Sie für eine Fachkarriere oder Führungslaufbahn gemacht sind?
Eine der fundamentalsten Weichenstellungen in einer Karriere ist die Entscheidung zwischen einer Fach- und einer Führungslaufbahn. Viele glauben fälschlicherweise, dass eine Führungsposition die einzig logische nächste Stufe für Erfolg und höheres Gehalt darstellt. Dies ist ein gefährlicher Mythos. Eine erzwungene Führungskarriere kann zu Unzufriedenheit und Ineffektivität führen, während eine vertiefte Fachkarriere oft ebenso erfüllend und lukrativ sein kann. Tatsächlich weisen in vielen Schweizer Tech- und Pharma-Konzernen mittlerweile Fachlaufbahnen und Führungspositionen gleichwertige Salärbänder auf. Die entscheidende Frage ist also nicht „Wie werde ich Führungskraft?“, sondern „Welche Rolle passt wirklich zu meinen Stärken und Neigungen?“.
Die Antwort liegt selten in reiner Theorie. Sie müssen die Rollen in der Praxis „anprobieren“. Anstatt auf die eine grosse Beförderung zu warten, können Sie in Ihrem aktuellen Unternehmen gezielt „Testläufe“ in einem geschützten Rahmen initiieren. Bitten Sie darum, ein kleines, zeitlich begrenztes Projekt mit 2-3 Mitarbeitern zu leiten. Beobachten Sie sich selbst: Geniessen Sie es, das Team zu koordinieren, zu motivieren und Hindernisse aus dem Weg zu räumen? Oder raubt Ihnen die administrative und kommunikative Arbeit die Energie, die Sie lieber in die inhaltliche Tiefe stecken würden? Diese praktischen Experimente sind die ehrlichsten Indikatoren für Ihre Eignung.
Nutzen Sie Ihr aktuelles Umfeld als Experimentierfeld, um Hypothesen über sich selbst zu testen:
- Führungstest: Bitten Sie um die Leitung eines kleinen, zeitlich begrenzten Projekts mit 2-3 Teammitgliedern.
- Expertentest: Bieten Sie an, ein internes Training zu Ihrem Fachgebiet zu geben oder einen komplexen Fachartikel für das Intranet zu verfassen.
- Mentoring-Test: Übernehmen Sie die Einarbeitung eines neuen Kollegen und beobachten Sie, ob Ihnen die Wissensvermittlung Freude bereitet.
- 360°-Feedback: Bitten Sie Vorgesetzte, Kollegen und eventuell Mitarbeiter um strukturiertes Feedback zu Ihren Führungs- und Fachkompetenzen.
Ein Coach oder eine Laufbahnberatung kann Ihnen helfen, die Ergebnisse dieser Tests zu interpretieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber die Initiative, diese Erfahrungen zu sammeln, muss von Ihnen kommen. Diese proaktive Haltung ist der beste Weg, um eine Entscheidung zu treffen, die auf echten Daten und nicht auf gesellschaftlichem Druck oder falschen Annahmen basiert.
Der Weg zu beruflicher Erfüllung ist selten eine gerade Linie. Er erfordert Selbstreflexion, Mut zum Experimentieren und die Bereitschaft, zur richtigen Zeit die richtige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nutzen Sie die hier vorgestellten Werkzeuge und Kriterien, um den nächsten, für Sie passenden Schritt zu definieren und Ihre berufliche Zukunft aktiv zu gestalten.